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Was bringt das ewige Leben?

Was bringt das ewige Leben?

Was wird aus mir, wenn ich tot bin? Solange es Menschen gibt, stellen sie sich diese Frage. Deshalb gibt es in allen Religionen die Hoffnung auf etwas Jenseitiges, etwas, das uns nach unserem Tod erwartet. Aber jede Religion stellt sich dieses Jenseits anders vor. Christen sprechen vom „ewigen Leben”. Aber man fragt mit Recht: Können wir uns überhaupt so etwas wie „Ewigkeit” und „ewiges Leben” vorstellen? Vor vielen Jahren sagte jemand etwa Folgendes zu mir: „Ewiges Leben - das ist mir zu hoch. Wenn ich versuche, mir die Ewigkeit vorzustellen, dann denke ich: Ein Leben, das ewig dauert, muß ja unendlich langweilig sein. Nein, solch ein Leben möchte ich nicht.” Was also bringt uns das ewige Leben? Ich möchte einmal versuchen, anhand einiger biblischer Texte darzulegen, worin die christliche Hoffnung auf das ewige Leben besteht.

1. Unzerstörbare Gemeinschaft mit Gott

Kurz gesagt hat das ewige Leben nach christlicher Vorstellung die Dimension einer vollkommenen und unzerstörbaren Gemeinschaft, eines ungetrübten Zusammenseins, eines glücklich machenden, erfüllenden Miteinanders. Dabei geht es zunächst um das Zusammensein Gottes mit den Menschen. Ein biblisches Bild für dieses Zusammensein lautet: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein” (Offb 21,3). Das Bild von der Hütte und vom Wohnen Gottes bei den Menschen drückt die Nähe Gottes zu seinen Geschöpfen aus. Gott und Menschen werden ganz nah beieinander sein - so nah, daß nichts Trennendes mehr zwischen ihnen steht. Jesus hat das einmal so ausgedrückt: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen” (Joh 14,2). Das Bild sagt: Gott hat in seinem jenseitigen Haus Wohnungen für uns bereitet, in denen wir ganz nah bei ihm sind. In einem anderen Bild vergleicht Jesus diese Nähe mit der Nähe der Schafe zu ihrem Hirten: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen” (Joh 10,27-28). Der gute Hirte Jesus und seine Schafe, die von ihm geliebten Menschen, werden niemals mehr getrennt sein. Nichts wird zwischen den Schafen und ihrem Hirten stehen, denn sie hören auf seine Stimme und folgen ihm, bleiben also in seiner Nähe. So nah werden wir Gott sein, daß wir ihm sozusagen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen werden: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin” (1 Kor 13,12). Die antiken Spiegel hatten nicht unsere Qualität, sondern lieferten nur ein verschwommenes Abbild. Das bedeutet: Jetzt erkennen wir Gott nur sehr verschwommen und unzulänglich. Im ewigen Leben aber werden wir ihn in einer Weise erkennen, die uns ganz eng mit ihm verbunden sein läßt. Da wird es kein Unverständnis und kein Mißverständnis mehr geben. Da werden wir Gott verstehen, so wie er uns versteht, und im gegenseitigen Verstehen werden wir mit Gott eins sein.

Das ist die Fülle des Glücks, die Glückseligkeit, die uns das ewige Leben bietet: Wir werden nicht mehr zerrissen sein zwischen Sein und Schein, zwischen Wahrheit und Wirklichkeit, zwischen dem, was wir sein sollen, und dem, was wir sind. Sondern wir werden eins sein mit Gott, mit dem Lebensgrund, mit der Wahrheit unseres Seins, mit dem umfassenden, letzten Sinn. Unsere Sehnsucht nach der Wahrheit über unser Leben, nach dem Sinn unseres Seins wird endlich gestillt sein. Wir werden in Gottes Gemeinschaft hineingenommen, werden einbezogen in das Zusammensein, das Gott immer schon ist, indem er als Vater, Sohn und Heiliger Geist von Ewigkeit her Gemeinschaft ist. Diese Gemeinschaft mit Gott wird uns glücklich machen. Darum beschreibt die Bibel die Trennung von Gott als Qual (z.B. Lk 13,22-28). Wir Menschen sind zur Gemeinschaft bestimmt und sehnen uns unser Leben lang nach liebevoller, gelungener Gemeinschaft. Im ewigen Leben wird unsere Sehnsucht endgültig gestillt sein.

Wenn es dabei wirklich um „uns” geht, um konkrete Menschen, die einen individuellen Charakter und eine persönliche Geschichte haben, dann gehört auch dieser Charakter und diese Geschichte zu unserem zukünftigen Leben in der Gemeinschaft mit Gott dazu. Unser irdisches Leben wird also nicht ausradiert, wenn das ewige Leben beginnt; es wird vielmehr „mitgenommen” in das neue Leben. Es wird dabei aber verwandelt. So spricht Paulus davon, daß wir im ewigen Leben einen Leib haben werden - aber nicht einen dem Schmerz und der Vergänglichkeit ausgesetzten Leib, wie wir ihn aus unserem irdischen Leben kennen, sondern einen „geistlichen Leib”, der „unverweslich” ist (1 Kor 15,42-44). Wie immer man dies verstehen mag - zu unserem ewigen Leben gehört ein Leib! Dazu paßt es, wenn Jesus beim Abschied von seinen Jüngern sagt, daß er im Reich Gottes mit ihnen zusammen auf neue Art Wein trinken wird (Mt 26,29). Ist es zu viel gesagt, von leiblichen Freuden im ewigen Leben zu sprechen - wenn auch auf andere Art als in unserem irdischen Leben? Jedenfalls wird nicht nur so etwas wie eine „Seele” als Übrigbleibsel von uns irgendwo herumschweben, sondern das ewige Leben wird ein leibliches Leben sein - jedoch ohne körperliche Mängel und Gebrechen.

Wie unser irdischer Leib also verwandelt werden wird, so auch unser ganzes irdisches Leben, das wir zum ewigen Leben mitbringen. Allem, was zu unserem irdischen Leben gehört, allem, was wir getan und erlebt haben, wird seine Zweideutigkeit genommen, und es wird der herrlichen Klarheit Gottes teilhaftig, einer Klarheit, die nur dem eindeutig Guten zukommt (2 Kor 3,18; Phil 3,21). Das bedeutet: Das Negative, Böse und Zerstörerische, das auch zu unserem irdischen Leben gehört, wird vergehen, und übrig bleibt nur das Gute und Liebevolle unseres Lebens. So wird unser irdisches Leben, so werden „wir” mit unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte für immer bei Gott geborgen und aufgehoben sein. Wir werden aber so geborgen und aufgehoben sein, wie Gott sich uns gedacht hatte und wie es gut für uns ist. Schuld und Leid wird uns und unser Leben dann nicht mehr entstellen.

Man kann vielleicht von einer „Reinigung” unseres Lebens von allem Bösen und Quälenden sprechen. Zu dieser Reinigung gehört es dann aber auch, daß das Negative von Gott als das Negative, das es nun einmal ist, ausgesprochen und aufgedeckt wird. Nun steht das Böse vor Gott und aller Welt als das da, was es ist: das Böse. Indem es aber in dieser Weise entlarvt wird, verliert es schon seine zerstörerische Macht. Es ist eine Befreiung, wenn das Böse als Böses benannt wird. Es kann sich dann nicht mehr als Gutes verkleiden. Es hat angesichts des vollkommenen Guten, von dem das ewige Leben geprägt ist, keine Zukunft mehr. Jetzt gibt es nur noch vollendete Gemeinschaft mit Gott und mit den Mitmenschen. So hat es im ewigen Leben mit allem, was die Gemeinschaft zerstört, ein endgültiges Ende.

Wir nennen diesen Vorgang, in dem das Negative aufgedeckt, verurteilt und entmachtet wird, das Gericht Gottes über den Menschen. Keiner kann diesem Gericht entgehen, denn unser aller Denken und Handeln unterliegt der Zweideutigkeit und entbehrt der herrlichen Klarheit Gottes (2 Kor 5,10). Wichtig ist jedoch, daß im Gericht nicht der Mensch vernichtet wird, sondern nur das Böse, das zu ihm gehört. Der Mensch „wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch” (1 Kor 3,15). Diese Läuterung bleibt niemandem von uns erspart. Die Läuterung stellt aber Gottes Liebe nicht in Frage; sie bestätigt sie vielmehr. Denn indem Gott das Böse in uns beseitigt, ermöglicht er überhaupt erst die vollendete Gemeinschaft, in der wir dann leben dürfen. Darum ist Gott, wenn er uns richtet, ein durch und durch gnädiger Richter. Er richtet uns nicht hin, sondern er richtet uns auf. Es geht ihm darum, uns „herzurichten” oder „zuzurichten” für das Leben in vollkommener Gemeinschaft.

2. Unzerstörbare Gemeinschaft mit den Menschen

Es ist schon angeklungen, daß das ewige Leben nicht nur vollkommene Gemeinschaft mit Gott bringt, sondern auch mit den Menschen, ja mit allen Lebewesen. Wir werden im ewigen Leben nicht einsame Individuen sein, die ganz für sich ihr ewiges Leben genießen, sondern wir werden soziale Wesen sein. Denn Gott ist von Ewigkeit her ein soziales Wesen, eine Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist. In diese Gemeinschaft werden wir hineingenommen, und zwar mit allen anderen Lebewesen, denen das ewige Leben geschenkt wird. Darum ist das ewige Leben kommunikatives Leben, kein langweiliges, einsames Alleinsein. Wir werden endlich nicht mehr entfremdet sein von unseren Mitmenschen, aber auch nicht von Gott und von uns selbst.

Zu diesem sozialen Charakter des ewigen Lebens gehört auch, daß wir Menschen, die wir im irdischen Leben kannten, wiedersehen und wiedererkennen werden. Jesus tröstete seine Freunde vor seinem Tod damit: „Ihr seid jetzt traurig; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen” (Joh 16,22). Es wird ein verwandeltes, versöhntes Wiedersehen sein, ein Wiedersehen, das nichts als Freude macht, und die Freude wird kein Ende nehmen, weil es keine Trennung mehr geben wird. Wir werden dann nicht mehr auseinandergerissen werden. Und weil nichts so sehr schmerzt, als wenn Kinder ihren Eltern entrissen werden, drückt das Alte Testament dies in einer wunderschönen Verheißung aus: „Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen.” Die Menschen werden „keine Kinder für einen frühen Tod zeugen” (Jes 65,20.23).

Die Bibel drückt diese ungetrübte und unzerstörbare Gemeinschaft mehrmals mit dem Bild des Festes und des gemeinsamen Essens aus: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes” (Lk 13,29). Aus allen Himmelsrichtungen werden die Menschen zusammenströmen und gemeinsam das Festmahl einnehmen, das Gott ihnen bereitet hat. Da wird es keine Rassentrennung mehr geben, keinen Streit der Ideologien und keine Feindschaft der Völker und Familien. Die unterschiedlichsten Menschen werden miteinander vereint sein. Doch nicht alle nehmen die Einladung Gottes ernst, und diejenigen, die nicht wirklich am Fest teilnehmen wollen, erhalten auch keinen Zugang zu ihm (Lk 13,22-28). Auch das Gleichnis vom großen Festmahl in Lk 14,16-24 greift dieses Bild auf. Gott ist der Gastgeber, der den Menschen ein Fest bereitet hat, dem es an nichts mangelt. Doch das Unglaubliche geschieht: Die geladenen Gäste haben keine Zeit - sie haben Wichtigeres vor. Schließlich lädt der Gastgeber die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten ein sowie die Landstreicher und Obdachlosen. Sie nehmen die Einladung dankbar an, und so kann das Fest doch noch stattfinden. Die Mahnung, die uns mitgegeben wird, lautet: Die Einladung Gottes will angenommen werden. Gott läßt sich nicht zum Narren halten und kann die Tür auch verschließen.

Daß das ewige Leben ein Gemeinschaftsleben ist, wird auch in Offb 21,2 deutlich: „Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.” Das Bild der Stadt (griechisch polis) weist darauf hin, daß es sich im ewigen Leben um ein Gemeinwesen handeln wird. Dieses wird von anderer Art sein als unsere irdischen Gemeinwesen und deshalb auch nicht von politischen Querelen geprägt sein, sondern von einem Miteinander, wie wir es von einer Hochzeit kennen. Daß das Gemeinwesen einer Braut verglichen wird, besagt: Wir werden uns über dieses Gemeinwesen freuen können, es wird uns glücklich machen, es wird unserem Leben Sinn geben. Gerade das Verhältnis zu den anderen, das uns im irdischen Leben so vieles erschwert, wird dann der Grund unserer Freude sein.

3. Unzerstörbare Gemeinschaft mit sich selbst

Der Ausdruck „Gemeinschaft mit sich selbst” mag etwas irritieren. Kann man mit sich selbst Gemeinschaft haben? Man kann mit sich selbst eins sein oder aber innerlich zerrissen. Man kann mit sich selbst im Einklang sein oder aber sich selbst fremd. „Gemeinschaft mit sich selbst” meint die harmonische Beziehung, die ein Mensch zu sich selbst hat. Das ist eine Beziehung, in der uns kein Leiden, keine Entfremdung, keine Einsamkeit mehr mit uns selbst und unserem Dasein unzufrieden sein läßt. Keine unerfüllte Sehnsucht, kein Suchen nach Freude, kein Mangel wird dann mehr unseren Wunsch nach einem erfüllten Leben durchkreuzen. Unser Leben wird dann von ungetrübtem Glück, von einer Glückseligkeit, in der keine Wünsche mehr offen bleiben, geprägt sein. In einem wunderbaren Bild drückt die Bibel dies aus: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein” (Offb 21,4). Daß Gott selbst uns die Tränen abwischen wird, sagt die Bibel mehrmals (Jes 25,8; Offb 7,17). Wie nah wird uns Gott sein, den wir jetzt nur entfernt und undeutlich erkennen! Wie zärtlich wird seine Fürsorge für uns sein, wie intim seine Beziehung zu uns! Der große Gott ist sich nicht zu schade, uns Menschen eigenhändig die Tränen abzuwischen. Auch dies ist sicherlich nur ein Bild, aber ein sprechendes, bedeutungsvolles Bild.

Ich will ganz offen sagen, daß ich dieses Heil für viele Menschen erhoffe, ja sogar für alle Menschen. Jesus Christus ist für alle Menschen gestorben. Seine Liebe gilt auch denen, die nicht an ihn glauben. Ich hoffe deshalb, daß kein Mensch in Ewigkeit die Hölle der Beziehungslosigkeit, der absoluten Einsamkeit erleben muß. Immerhin weist die Bibel darauf hin, daß einst „in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist” (Phil 2,10f). Wie aber können die in Ewigkeit verloren sein, die sich zu Jesus Christus als ihrem Herrn bekennen? Und weiter steht geschrieben, daß Christus „auch den Toten das Evangelium verkündigt”, damit sie „zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist” (1 Petr 4,6), so daß auch diejenigen, „die einst ungehorsam waren” (1 Petr 3,20), im Tode noch die Chance erhalten, sich dem Evangelium zu öffnen. Dies alles könnten Hinweise darauf sein, daß Gottes Liebe am Ende größer ist als aller menschliche Unglaube. Das ist meine Hoffnung. Sie ändert nichts daran, daß Gott allein über Begnadigung oder Verlorenheit entscheidet; sonst wäre Gnade keine Gnade. Es steht in seiner Macht, die Tür zu verschließen. Ich meine nur, wir sollten es wirklich ihm überlassen, ob er es in seiner unermeßlichen Liebe tatsächlich tut, ob er die Tür zuschlägt. Es gibt Bibelstellen, die nahelegen, daß ein Teil der Menschen nicht am ewigen Leben teilhat; es gibt andere, die besagen, daß „der Herr nicht ewig verstößt; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen” (Klgl 3,31-33). Ich will Gottes Entscheidung keinesfalls vorwegnehmen. Ich will auch den Ernst unserer Entscheidung für oder gegen Jesus Christus nicht schmälern. Ich denke, daß das Gericht für uns peinlich sein und uns zur Demut führen wird. Aber ich hoffe doch, daß der Gott, der schon auf Erden nicht von Herzen plagt und betrübt, dies auch in Ewigkeit nicht tun wird.

4. Gemeinschaft - eine Wahrheit des Herzens

Wir Menschen können nur in räumlichen und zeitlichen Kategorien denken. Ich habe den Versuch gemacht, etwas zu sagen über das, was unsere Vorstellungen von Raum und Zeit übersteigt. Dies kann nur ein gänzlich unzulänglicher Versuch sein. Aber wir können nicht umhin, auch von dem, was uns außerhalb von Raum und Zeit erwartet, Zeugnis abzulegen. Die Bibel liefert uns dafür die Bilder. Diese Bilder sprechen vom ewigen Leben so, daß es die Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht sein wird. Wir werden zu unserem Einssein und Ganzsein finden; denn Gott - der Sinn, die Wahrheit und der Grund unseres Lebens - wird uns eine zutiefst vertraute und nahe Wirklichkeit sein. Wir werden unwiderruflich mit ihm versöhnt sein, und auch mit unseren Mitmenschen und uns selbst.

Einen vernunftgemäßen Beweis für diese Wirklichkeit gibt es nicht. Der kritischen Vernunft ist der Blick hinter die Kulissen versagt. Wenn es so etwas wie einen „Beweis” gibt, dann den des Herzens. Denn „man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar” (Antoine de Saint Exupéry). Die wesentlichen Dinge kann man nicht mit dem Verstand beweisen; auf sie kann man sich nur mit dem Herzen einlassen. Dabei kann das Herz eine Gewißheit erlangen, die dem Verstandeswissen niemals zukommt. Liebe, Sinn und Glück sieht man nur mit dem Herzen gut. Auch Gottes Liebe, den Sinn unseres Lebens und die glückselige Erfüllung unseres Lebens können wir nur mit dem Herzen gut sehen. Wir können sie nur glauben.

Aber gerade mit diesem Glauben haben viele Menschen Schwierigkeiten. Der Glaube steht uns eben nicht einfach zur Verfügung, wir können ihn nicht selber machen und jederzeit abrufen. Dennoch will uns der Gott, der in sich selbst ewige Gemeinschaft ist, in diese seine Gemeinschaft hineinnehmen. Er will dies schon jetzt, indem er Glauben in uns weckt. Es ist nach christlichem Bekenntnis Gott als der Heilige Geist, der uns in seine ewige Gemeinschaft hineinnimmt, indem er uns zu ihr Ja sagen läßt. Gott der Vater ist der Grund der versöhnten Gemeinschaft und damit der Sinn unseres Lebens. Gott der Sohn eröffnet uns die versöhnte Gemeinschaft. Gott der Heilige Geist trägt uns in sie hinein. Zwar können wir den Glauben daran nicht auf Befehl abrufen; doch jeder kann Gott um diesen Glauben bitten. Und wer ihn ernsthaft bittet, der kann darauf vertrauen, daß ihm Gott das Geschenk des Glaubens nicht versagen wird. Denn Gottes Verheißung gilt: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan” (Mt 7,7f; Lk 11,9f) - auch die Tür zum ewigen Leben.





Literaturhinweise:
Unsere Hoffnung auf das ewige Leben. Ein Votum der Union Evangelischer Kirchen in der EKD. © Neukirchener Verlagshaus, Neukirchen-Vluyn 2006,
2. Auflage 2008.
Gerhard Lohfink: Der Tod ist nicht das letzte Wort. © Stiftung Haus der
action 365, Frankfurt / Main.